Restauration eines Hummel Einachsschlepper´s (Traktor)

Da die Restauration bereits vor einigen Jahren begonnen hatte und der Oldtimer mittlerweile kurz vor der Vollendung steht, möchte ich mit einem Rückblick dazu starten!

Wie man zu einen Einachs-Schlepper kommt.

Wie bei mir üblich, war ich wieder einmal nicht auf der Suche nach einem neuen Projekt.

Eigentlich sollte ich bei der Restaurierung des Schleppers nur einige Arbeiten übernehmen bzw. Hilfestellung dabei leisten. Nach mehreren besuchen und der abgeschlossenen Istaufnahme der verschiedenen Baustellen des Fahrzeugs kam ich zusammen mit dem Besitzer zu dem Schluss, das es sich bei diesem Fahrzeug um das sprichwörtliche Fass ohne Boden handelte. Es gab praktisch nichts das noch in Ordnung gewesen wäre oder gar noch funktioniert hätte! Und Teile gibt es auch nur über Insider und diese sehen meist nicht besser aus als die die man bereits ausgebaut hatte.
Unter anderem haben wir folgende defekte fest gestellt: Kolbenfresser, Differential verschlissen, Getriebeschaden Zahnräder mit Zahnausfall, Kupplung so gut wie nicht mehr vorhanden!, Einspritzdüse verschwunden und vieles mehr!

Dem zur Folge wollte der Besitzer kurzen Prozess machen und das Gerät auf dem Schrott entsorgen. Dies konnte ich natürlich nicht zulassen. Langer rede kurzer Sinn, ich hab das Teil für einen Symbolischen betrag übernommen, mit dem versprechen, falls wieder etwas daraus entstehen sollte, Ihm den Schlepper als erstes anzubieten.

So, der Rollende Schrotthaufen ("und ich wähle solche Worte nicht leichtsinnig!") war nun zu haus abgeladen und in der Werkstatt verstaut!

Und was macht man jetzt mit sowas?

Man beschäftigt sich zunächst einmal mit der Historie dieser Fahrzeuge. Wer hat sowas gebaut, was kann man damit machen, gibt es noch ähnliche Fahrzeuge dieses Herstellers, wie selten sind die Dinger eigentlich, macht es überhaupt sinn Geld und Zeit hinein zu stecken? Will ich sowas überhaupt besitzen!?, bekommt man dafür noch Teile?
Alles fragen die eine Rolle spielen und wohl überdacht werden wollen, bevor man sich auf so ein Abenteuer einlässt.

Was nun?

Nach einigen Recherchen über die Firma Hummel und Ihre Produkte stieß ich im Internet auf ein Forum das ein Man aufgebaut hat, der bei der Fima Hummel lange Jahre gearbeitet hatte.

Mittlerweile fand ich die Geschichte zur Firma Hummel recht interessant, auch der regionale Bezug spielt für mich immer eine große Rolle. So wurden die Kleinen Schlepper übrigens auch in Laufenburg gefertigt.

Wer mehr darüber erfahren möchte ist auf der Hompage von Herr Kolb bestens aufgehoben!
(https://hummeleinachser.lima-city.de/)

 

Da eine Restauration auf Grund der Teileverfügbarkeit, wenn überhaupt, dann nur mit einem gut erhaltenen Teilespender möglich sein wird, habe ich mich rein Interesse halber mal im Netz umgesehen und auch prompt was geeignetes gefunden! Und der war auch noch günstig zu haben!
Heute ist mir erst bewusst was ich damals für ein außerordentliches Glück gehabt hatte so ein Teil in diesem verhältnismäßig hervorragenden Zustand zu finden. 

Eine Restauration lässt sich nicht erzwingen!

Wichtig bei jeder Restauration ist es, möglichst realistisch und offen für sich ändernde Situationen zu bleiben. Auch der zeitliche Rahmen sollte man stehts im Blick behalten, damit die Restauration eines kleinen Treckers nicht zu einem Jahrhunderprojekt ausartet.

Mittlerweile war klar, das diese Dinger zwar recht selten zu sein scheinen, vor allem in einem einigermaßen gepflegten Zustand ist fast nichts am Markt zu finden. Allerdings ist andererseits die nachfrage nach diesen Schleppern nicht sehr groß.

In den letzten Jahren sind allerdings die Narrenzünfte auf den Einachsergeschmack gekommen. Weil diese Kleinstschlepper meist Zulassungsfrei sind (6km/h) und auch bei den Umzügen so gut wie keine Auflagen zu erfüllen haben! So werden z.B. meist kein Begleitschutz und Radverkleidungen benötigt. Dies hängt natürlich immer vom jeweiligen Veranstalter ab.
Also entschloss ich mich dazu die Restauration des ersten Hummel nicht zu realisieren und mich auf die gut erhaltene zweite Errungenschaft zu konzentrieren. Dies sollte mir noch genug Kopfzerbrechen und Arbeit auferlegen.

Bevor wir uns ins Schmieröl stürzen, noch einige Worte zum angestrebten Zustand nach der Restauration. Abgesehen von dem  einigermaßen bekannten Oltimerzustandsschlüßel (Note 1-5), möchte ich noch kurz auf die Qualität und den Umfang der durchzuführenden Arbeiten eingehen.

 

Was soll der Oldtimer nach der Restaurierung für einen Zweck erfüllen?

 

Wertanlage und historisches Museums bzw. Ausstellungsstück,

Originalrestauration, vollfunktionstüchtig und Startbereit, ich nenne das die museumsgerechte Restauration.

Diese Restaurationsweise ist die Königsklasse beim restaurieren. Dabei kommt es darauf an möglichst alle Originalen Teile (auch möglichst alle Schrauben und Muttern) in Stand zu setzen und wieder zu verwenden. Es wird der Originale zustand Konserviert bzw, Rekonstruiert. Als Patina oder in neuem Originalfarbton.

Preisgekröntes Sammlerstück,

Oldtimer besser als neu, Zustand 1. Sieger bei diversen Treffen. jederzeit Startbereit. Und mit vielen Neuteilen. Neu Lackiert. Generalüberhohlt.

Eine Restauration ist kein Reparierter Oldtimer der frisch gestrichen wurde!

Jetzt aber ran an den Speck!

Wo fängt man den eigentlich am besten an mit der Restauration? Ich würde sagen das ist jedes mal anders! Es hängt von vielen meist auch von persönlichen Faktoren ab, hier einige kleine Auswahl an fragen um darüber nach zu denken:

- wie schnell will ich mit dem Fahrzeug wieder auf die Piste?

- wie viel Geld steht mir zur Restauration zur Verfügung?

- wie viel Zeit kann ich in das Projekt investieren?

- Welchen Wert soll das Restaurationsobjekt hinterher darstellen?

- wird es ein Oldtimer zum fahren oder eine Wertanlage und Ausstellungsstück?

- will ich Patina oder Neuwagenglanz

 

Ich habe für mich beschlossen, das mein Hummel wieder fast neuwertig aussehen soll und nach der Restauration ohne merkliche Verschleißerscheinungen voll funktionstüchtig und in technisch einwandfreiem Zustand da stehen muss!

Das Ziel zu definieren bevor man sich in die Arbeiten stürzt ist meiner Meinung nach sehr wichtig! Es hilft einem bei jedem Teil sich klar zu machen wo die reise hin geht! Und wieviel Aufwand man in jedes Teil hinein steckt!

Wer sein Ziel nicht klar Formulieren kann muß damit rechnen, nachher nicht das gewünschte Ergebnis vor sich zu haben!

Bei mir beginnt jede Restauration mit der wieder Herstellung aller Funktionen. Die wichtigste Funktion dabei ist die Funktion des Motor´s, das Getriebe, die Bremsen, die Nebenaggregate, die Elektrik, das Zubehör.

ist alles wieder in Stand gesetzt geht es an den Lack. Hierzu ist es oft erforderlich alles noch einmal zu demontieren um sauber lackieren zu können. Klar ist das aufwand aber anders geht es nicht! Man kann nicht alle Teile im vornherein sauber lackieren wenn anschließen noch Einstellungsarbeiten oder Umbaumaßnahmen erforderlich werden sollten. Was sich im voraus eh nicht ausschließen lässt.

Der Motor

Startet einwandfrei und läuft sauber! ("Schwein gehabt!")

Schonmal einen Zweitakt-Diesel gestartet? Dann aufgepasst das ist kein Problem, wenn man weiß wie.

1. Motor 3-4 mal ohne Luntenhalter durchdrehen, das fördert das Schmieröl und verteilt es auf der Zylinderlaufbahn.

2. Zündfix in den Luntenhalter einsetzen und Luntenhalter einschrauben. (Nicht schon vorher anzünden, dann bingt´s nixmehr!)

3. Drei mal Schwung holen und dann durchziehen! Läuft.

Die Wasserkühlung braucht pflege, hier ist ein Schlauchstußen abgebroch der instand gesetzt werden will. Die Kühlwasserschläuche sind obligatorisch zu ersetzen. 

Auch die Kupplung ist auf dem Minimum angekommen. Hier habe ich mich aus Kostengründe dazu entschlössen nur die Reibbeläge zu ersetzen und keine neue Mitnehmerscheibe für ca. 400,-€ zu kaufen. Die Verzahnung der Kupplung ist nur minimal ausgeschlagen und kann hinsichtlich der in Zukunft eher geringen Laufleistung nochmal Verwendung finden.

Das Getriebe

Ein Blick ins Getriebe gehört zum Pflichtprogramm bei jeder Restauration. Oft sickert Wasser durch Schaltgestänge oder andere Spalten ins Getriebe. Wir der Schlepper dann bewegt bildet sich eine Emulsion (Öl-Wassergemisch) oder das Wasser sammelt sich unter dem Ol an. Dies merkt man dann gleich wenn das Getriebeöl abgelassen wird. Bei meinem Hummel kam kein Wasser aus dem Getriebe, das ist schonmal ein gutes Zeichen. Jetzt gilt es noch den Verschleiß zu beurteilen.

Wichtige punkte bei der Getriebebeurteilung:

- mahlende Geräusche beim drehen? (Nein)

- Rost auf Zahnrädern und / oder Lagern? (Nein)

- fehlende Zähne oder Abplatzungen auf den Zähnen? (Nein)

- verschlissene Zahnräder erkennt man meist an Spitz auslaufenden Zahnköpfen! (Nein)

- auch die Schaltflanken sollte man sich etwas genauer anschauen, hier gibt es auch oft verschleiß oder Beschädigungen.

- ein große Zahnflankenspiel? (geht noch)

 

Würde sagen das können wir nochmal so lassen!

Wer vor dem Kauf bereits auf solche Sachen, wie Geräusche vom Getriebe, achtet kann sich viel Zeit und Geld bei der Restauration sparen.

 

Getriebeinstandsetzungen sind nichts für Anfänger. Auch werkzeugtechnisch stellt diese Thema höchste Ansprüche an Werkzeug Auswahl und Werkzeugqualität. Bei Abziehern muß es schon "NEXUS" sein, besser wäre "Kukko" oder ähnliche Preisklassen. Da sind dann allerdings auch gleich mal 250,- € für einen Abzieher fällig. Alles was andere hält eh nicht stand.


Vorsetzung folgt!

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